Fünf Lehrkräfte unserer Schule erhielten im März die Möglichkeit, an einem von Kolleginnen und Kollegen unserer Erasmus- Partnerschule Antoni-Maura in Palma de Mallorca organisierten Lehrermobilitätsprogramm in der Emilia-Romagna (Italien) teilzunehmen. Ziel der Reise war es, die Umsetzung der Reggio-Pädagogik direkt vor Ort - in ihrer Ursprungsregion - kennenzulernen, sich mit internationalen pädagogischen Fachkräften auszutauschen und neue Perspektiven für zukünftige Erasmusprojekte unserer Schule zu entwickeln.
Die Reise begann am 22. März mit der Abfahrt in Tübingen. Eine eindrucksvolle Zugfahrt führte durch die Schweiz über Zürich und Mailand, bevor die Gruppe mit einem – dank Upgrade überraschend großzügigen (und für italienische Straßen fast schon etwas zu großzügigen) – Mietwagen weiter nach Reggiolo reiste, einem kleinen Ort unweit von Reggio Emilia.
Vor Ort erwartete die Lehrkräfte ein vielfältiges Programm: Gemeinsam mit rund zwanzig spanischen Kolleginnen und Kollegen wurde zunächst die Region erkundet. Eine Führung durch den Palazzo Sartoretti sowie ein einführender Vortrag der Pädagogin Federica Pavia boten erste Einblicke in die Geschichte und Grundlagen der Reggio-Pädagogik.
Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch des Centro Internazionale Loris Malaguzzi in Reggio Emilia, dem zentralen Ort der Reggio-Pädagogik. Ergänzt wurde dieser durch einen Besuch im Centro Remida, das sich mit kreativer Wiederverwertung von Materialien für Kindertageseinrichtungen beschäftigt. Auch die Erkundung der Stadt Reggio Emilia und der Austausch in informellem Rahmen – etwa bei gemeinsamen Abendessen – trugen zu einem intensiven fachlichen Austausch bei. An den folgenden Tagen standen Besuche verschiedener pädagogischer Einrichtungen im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden erhielten Führungen durch erfahrene Pädagoginnen, konnten den Alltag in den Einrichtungen beobachten und an Fachvorträgen teilnehmen.
Ein weiterer Programmpunkt war ein Workshop, in dem die Lehrkräfte selbst mit Naturmaterialien arbeiteten und so die „100 Sprachen des Kindes“ – ein zentrales Konzept der Reggio-Pädagogik – praktisch erfahren konnten. Spätestens hier wurde deutlich: Lernen kann nicht nur theoretisch verstanden, sondern auch ganz unmittelbar erlebt werden.
Gespräche mit lokalen Verantwortlichen, darunter auch dem Bürgermeister einer Gemeinde, verdeutlichten zudem, welchen hohen Stellenwert frühkindliche Bildung und Kindheit insgesamt in der Region einnehmen. Neben den fachlichen Inhalten bot die Reise auch zahlreiche kulturelle und kulinarische Eindrücke – von regionalen Spezialitäten bis hin zu einem gemeinsamen Abschluss auf einem Weingut. Den Ausklang fand die Woche in Verona, wo die Gruppe ihre Erfahrungen reflektierte, bevor sich am Samstag die Wege wieder trennten.
Die gewonnenen Erkenntnisse sind vielfältig: Besonders bereichernd war der internationale Austausch über Bildungs- und Erziehungssysteme zwischen Italien, Spanien und Deutschland. Deutlich wurde auch die zentrale Rolle von Dokumentation im Sinne eines „visible Learnings“ sowie die Bedeutung ästhetisch gestalteter Materialien für kindliche Bildungsprozesse. Darüber hinaus regte die Reggio-Pädagogik mit ihren formulierten Kinderrechten – etwa dem Recht auf Risiko – zum Nachdenken über eigene pädagogische Haltungen an.
Wir kehren mit vielen neuen Ideen und Impulsen im Gepäck zurück und freuen uns sehr darauf, diese in die schulische Arbeit einzubringen und weiterzugeben. Vielen Dank an unsere spanischen und italienischen Kolleginnen sowie an Sabine Thiem für die tolle Organisation!






