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Junglandwirtekongress 2025 in Blaubeuren: Ernten, Vermarkten, Durchstarten!

Am Donnerstag, 20.11.2025, machten sich – wie in den Jahren zuvor – die Auszubildenden des Lehrberufs Landwirt auf den Weg zum Junglandwirtekongress nach Blaubeuren. Der von der Landjugend Württemberg-Baden ausgerichtete Kongress greift jährlich wechselnde, aktuelle Themen der Landwirtschaft auf und bringt junge Praktikerinnen und Praktiker mit erfahrenen Stimmen aus der Branche zusammen.

Nach der kurzen Begrüßung durch Christian Seifert, Vorsitzender Landjugend Württemberg-Baden, startete die ganztägige Veranstaltung zum Thema „Ernten, Vermarkten, Durchstarten!“. 

Den Auftakt machte Franziska Meitinger, Geschäftsführerin des Bauernmarktes Dasing, mit „(Wie) Lohnt sich Direktvermarktung?“. Am Beispiel des Bauernmarktes Dasing – vor einem halben Jahrhundert von elf Landwirten gegründet – zeigte sie, wie gemeinschaftliche Direktvermarktung nachhaltig erfolgreich sein kann. Der Markt liegt an der A8 bei Augsburg, ist hervorragend angebunden und profitiert von Laufkundschaft. Die Grundidee war, Synergieeffekte zwischen den beteiligten Betrieben zu schaffen und zu nutzen. Die Landwirte nutzen hierfür eine gemeinsame Vermarktungsstrategie. Statt vieler kleiner Hofläden entstand ein großer, gemeinsamer Markt – das senkt das finanzielle Risiko für den Einzelnen und steigert die Sichtbarkeit. Die beteiligten Landwirte waren damals Pioniere, denn der eigentliche Boom der regionalen Vermarktung setzte erst später ein. Bemerkenswert: Das Projekt war vom ersten Tag an ein voller Erfolg.

Es folgte Christoph Bosch, von der Biotal Hofgemeinschaft Eselsburg, mit einem Vortrag zum Thema „Innovative Direktvermarktungskonzepte und Rolle der Diversifizierung in der Direktvermarktung“. Als Betriebsleiter beschäftigt er viele Mitarbeiter*innen, unter anderem mit Handicap. Auf dem Betrieb leben Milchkühe, Wasserbüffel, Schafe, Ziegen und Esel; außerdem werden Äcker und Grünland bewirtschaftet. Gemüse wird – überwiegend in Handarbeit – angebaut und im betriebseigenen Hofladen vermarktet. Dort gibt es zudem Milch, Joghurt, Quark und Käse aus eigener Produktion, ergänzt um Büffelmilchprodukte und Zugekauftes. Ein Pluspunkt des Hofladens ist die kleine Bewirtung; außerdem können Kundinnen und Kunden Tiere und Anbauflächen, die größtenteils in unmittelbarer Nähe liegen, erleben. Insgesamt rechnet sich das Konzept. Deutlich wurde: Durch Direktvermarktung lassen sich die Wertschöpfung und der Umsatzanteil, der tatsächlich beim Erzeuger bleibt, spürbar steigern.

Thomas Schädler vom Beratungsdienst Direktabsatz e.V. beleuchtete die „Rolle der Kommunikation in der Direktvermarktung“. Er beobachtet einen Trend zu Direktvermarktung ohne Personal, betonte aber zugleich die weiterhin hohe Relevanz des klassischen Verkaufens. Entscheidend sei das Auftreten der Verkaufenden: Freundlichkeit, Blickkontakt und ein gepflegtes äußeres Erscheinungsbild tragen wesentlich zum Kauferlebnis bei. Ein Namensschild kann darüber hinaus die Bindung zwischen Kundschaft und Verkäufer stärken – ein kleiner Impuls mit großer Wirkung.

Im Anschluss referierte Prof. Dr. Regina Birner von der Universität Hohenheim, Agrarsoziologin und Mitglied der Zukunftskommission Landwirtschaft, zur „Zukunft der Landwirtschaft und Direktvermarktung“. Triebkräfte wie Klimawandel, globale wirtschaftliche Veränderungen, neue gesellschaftliche Erwartungen, neues Wissen und technischer Fortschritt stellen Betriebe vor große Herausforderungen – auch in der Direktvermarktung. Auf den Ist-Zustand muss reagiert werden; ob eine Maßnahme die richtige war, zeigt sich oft erst im Ergebnis. Daraus entstehen fortlaufend neue Ideen, etwa der Anbau von Lavendel auf der Schwäbischen Alb oder ein KI-gesteuerter Hofladen.

Vor dem gemeinsamen Mittagessen im Tagungszentrum Blaubeuren stellten Franziska Fröschle und Stefan Ott – zwei ehemalige Schüler der Hilde-Domin-Schule, die nun die FSL Herrenberg besuchen – das Projekt „24/7 SB Schul-Laden“ vor. Im Rahmen der Technikerausbildung hat ihre Klasse einen SB-Hofladen in Containerform als feste Einrichtung der FSL Herrenberg etabliert. Das Beispiel zeigt: Es ist viel Arbeit, neue Wege in der Vermarktung zu gehen – und zugleich macht es Freude, im Team sichtbare Erfolge zu erzielen.

Am Nachmittag folgten sechs Workshops; jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer konnte zwei besuchen. Die Themen waren sehr vielfältig und umfassten „Idee-Pitch Direktvermarktungskonzept: Eure Idee, euer Produkt - überzeugt uns!“ (mit Franziska Meitinger), „Unser Verkaufsargument: Regional vom Produkt bis zum Hofladenbau“ (mit Christoph Bosch), „Verkaufen macht Spaß! - Verkaufstraining für Direktvermarkter“ (mit Thomas Schädler), „Zukunft der Landwirtschaft und Direktvermarktung“ (mit Prof. Dr. Regina Birner), „Mentale Stärke als Grundlage erfolgreicher Direktvermarktung“ (mit Katrin Schabel, Evan. Bauernmärkte in Württemberg e.V.) sowie „Strategien gegen Ausfall und zur Risikosenkung in der Direktvermarktung“ (mit Isabel Küperkoch, LBV-U).

Um 16 Uhr endete die Veranstaltung, und die Heimfahrt mit dem Bus oder in selbstorganisierten Mitfahrgelegenheiten begann. Wir danken der Landjugend Württemberg-Baden für den sehr abwechslungsreichen und gelungenen Junglandwirtekongress 2025 und freuen uns schon auf 2026!

Blick auf das Tagungszentrum Blaubeuren im Regen

Tagungszentrum Blaubeuren

Teilnehmer:innen blicken auf die Vortragsbühne auf dem Junglandwirtekongress in Blaubeuren, ein Vortragender steht auf der Bühne

Vortragsbühne auf dem Junglandwirtekongress in Blaubeuren