Das Foyer der Hilde-Domin-Schule Herrenberg war am 25.02.2026 voll besetzt. Alle anwesenden Klassen der beruflichen Schule versammelten sich mit ihren Lehrkräften um vor der Landtagswahl an einer Podiumsdiskussion mit den Direktkandidierenden aus dem Wahlkreis Leonberg-Herrenberg teilzunehmen. Die Initiative ging von der SMV aus, Geschichte- und Gemeinschaftskundelehrer Mario Walter organisierte die Veranstaltung. Der Einladung folgten: Peter Seimer (Bündnis ‘90/Grüne), Albrecht Stickel (CDU), Farina Semler (SPD), Hans Dieter Scheerer (FDP) und Thomas Walz (Die Linke). Andreas Auer (AfD) war verhindert.
Moderiert wurde die Podiumsdiskussion kurzweilig von den beiden Schülersprechern Svenja Ensinger und Jonathan Hikel sowie von Lehrer Mario Walter. Viele interaktive Elemente sorgten dafür, dass die Schülerinnen und Schüler gebannt und bis zum Schluss hoch konzentriert der 90-minütigen Veranstaltung folgten. Schulleiterin Marion Schönhaar wies in ihrer Begrüßung auf die Bedeutsamkeit der Landtagswahl für eine funktionierende Demokratie und auf das geänderte Wahlrecht hin. Erstmals stehen auch Direktkandidatinnen zur Wahl, außerdem ist mit der Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre ein Großteil der Schülerschaft wahlberechtigt.
Der inhaltliche Einstieg in die Veranstaltung erfolgte mit einer Selbstvorstellung der Kandidaten. Begrenzt auf eine Minute, der Timer war eingeblendet und mancher musste ausgebremst werden, sollten sie sich persönlich vorstellen und sagen wofür ihre Partei steht. Peter Seimer und Hans Dieter Scherer waren in dieser Wahlperiode bereits Mitglieder des Landtages, Albrecht Stickel, Verena Semler und Thomas Walz bewerben sich erstmals um ein Mandat. Nach dieser Runde wurde eine Folie mit den Wahlslogans der Parteien eingeblendet und alle erhielten wieder eine Minute, um zu erklären, was der Wahlslogan ihrer Partei bedeutet. Dabei traten sowohl Gemeinsamkeiten als auch deutliche Unterschiede zwischen den Positionen der Parteien zutage.
In der nächsten Phase wurde die Schülerschaft der beruflichen Schule aktiv einbezogen. Auf den Plätzen lagen rote und grüne Kärtchen, mit diesen sollte alle Anwesenden zeitgleich zu elf unterschiedlichen Ja- und Nein-Fragen abstimmen. Spannend war es für alle Beteiligten ihre eigene Position mit der der fünf Kandidaten zu vergleichen. Gefragt war beispielsweise: Soll der ÖPNV für alle unter 25 Jahren kostenlos sein? Soll man Cannabis in der Öffentlichkeit konsumieren dürfen? Soll ein Recht auf bezahlbares Wohnen in die Landesverfassung geschrieben werden? Sollen Menschen mit Fluchterfahrung vom ersten Tag arbeiten dürfen? Soll Bildung von der Kita bis zum Studium kostenlos werden? Soll Baden-Württemberg mehr in Rüstung investieren? Ist der Klimawandel die größte Bedrohung für unsere Zukunft? Soll es Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen geben? Soll es mehr Polizeipräsenz geben?
Rededuelle zu zentralen Politikfeldern
Es folgten vier Rededuelle zu ausgewählten Themenfeldern. Lehrer Mario Walter leitete jeweils mit knappen Hintergrundinformationen ein. Per Kartenabstimmung entschied das Publikum, welche Kandidaten gegeneinander antreten sollten. Folgende Duelle gab es: bezahlbarer Wohnraum (CDU vs. SPD), Strukturwandel in der Industrie (Linke vs. CDU), Migrationspolitik (Grüne vs. Linke sowie FDP), Bildungsgerechtigkeit (FDP vs. Grüne). Jede Person hatte eine Minute Zeit die eigene Position darzulegen sowie eine weitere Minute, um auf die dargelegten Argumente der Gegenseite einzugehen. Abschließend stimmten die Schülerinnen und Schüler mit Zetteln ab, wer sie im jeweiligen Rededuell argumentativ überzeugt hatte.
Fragen aus der Schülerschaft via Menti
In einer dritten Phase wurden über die Menti-App Fragen der Schülerinnen und Schüler an bestimmte Kandidaten gesammelt. Über 80 Fragen wurden eingereicht. Das Moderatorenteam wählte Fragen aus, die Schülersprecherin Svenja Ensinger gezielt an die Kandidierenden richtete. Nachdem der Kreistag den Stellenumfang der Schulsozialarbeit an allen beruflichen Schulen kürzte, die Hilde-Domin-Schule musste eine halbe Stelle abgeben, wurden alle Kandidaten und die Kandidatin gebeten zu erläutern, welche Abhilfe das Land hier schaffen kann, sodass es nicht mehr zu Kürzungen in einem so unverzichtbaren Bereich kommen muss. Die Ausbildungsberufe der Schülerinnen und Schüler spiegelten sich auch in den Fragen wieder: CDU und Grüne sollten erläutern, wie sie Landwirtinnen und Landwirte vor dem Hintergrund des Mercosur-Abkommens unterstützen wollen. Die SPD wurde nach Lösungsstrategien gegen fehlende Kita-Plätze gefragt, die Linke nach Konzepten zur Stärkung der Pflege. Außerdem sollte die CDU Position zur AfD beziehen, die FDP sich zur 5%-Hürde äußern und die Linkspartei zur Sicherheitspolitik.
Den Abschluss bildete eine hypothetische Frage: Was würden Sie tun, wenn Sie morgen im Landtag säßen? Alle nutzen dies um ihren Markenkern heraus zu heben.
Mario Walter schloss die Veranstaltung mit Dankesworten an die anwesenden Direktkandidierenden und mit dem Appell am 08.03.2026 vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Auf dem Rückweg in die Klassenzimmer wurde lebhaft diskutiert, wer am überzeugendsten argumentiert hatte.
Ein besonderes Lob gilt den beiden Schülersprechern Svenja Ensinger und Jonathan Hikel sowie Geschichte- und Gemeinschaftskundelehrer Mario Walter für die Moderation und Organisation der aufschlussreichen Veranstaltung. Das Ziel, über die Wahl und die Positionen der Parteien zu informieren, ist jedenfalls rundum gelungen. Außerdem geht ein Dank an die anwesenden Direktkandidierenden für ihre offen und fairen Austausch.












